Marie von Ebner-Eschenbach sagte einmal: "Wer nichts weiß, muss alles glauben" und was sagt dieses Zitat anderes als dass Glaube und Wissen sich zueinander gegenläufig verhalten?
Aber ist dem wirklich so? Ist ein gläubiger Mensch wirklich nicht mehr als das Klischee vom naiven und fanatischen Gutmenschen?
Meiner Meinung nach kann man das getrost verneinen, denn was wäre jeder einzelne Mensch ohne Glaube?
Wie kann man diesen überhaupt definieren? Viele verschiedene Faktoren bedingen ebenjenen, so zum Beispiel Erfahrungen, Weltsicht, Erziehung (Hand in Hand mit Religion und Kultur), Vertrauen, Hoffnung usw.
Sicherlich gehört auch eine gewisse Konstruktion dazu, gerade dann, wenn Religion einen nicht unerheblichen Teil ausmacht (ohne Religion als reine, menschengemachte Konstruktion abzutun).
Fakt ist auf jeden Fall, dass Glaube wie alles Andere dynamisch ist und jeden Moment einer Veränderung und "Neujustierung" unterliegt und mit Sicherheit auch eine gewisse Veranlagung vorhanden ist, so etwas wie ein Urglaube,
also ähnlich dem Mutter bezogenen Urvertrauen von Säuglingen.
Die Frage, die sich dann aber aufdrängt ist die nach seinem Inhalt, also ob es eher etwas spirituelles ist oder die Grundlage für Bewusstsein.
Diese Frage sollte man offen lassen, denn diese ist ironischerweise Glaubenssache...
Insofern könnte man Ebner-Eschenbach zustimmen, denn Glaube ist auch etwas intuitives und gefühlsbetontes und hängt wenig von Wissen ab und ist für meine Begriffe eins der urtümlichsten Regungen menschlichen Seins.
Was nun den Unterschied macht ist die Motivation, die inhaltliche Essenz des Glaubens. Zu Beginn: jeder Mensch glaubt und es ist eher sekundär, was in dessen Fokus steht, sei es nun Gott, Gaja, man selbst, Geld, ein politisches Ziel oder ein anderer Mensch...der Glaube ist es, was alle Menschen verbindet aber auch voneinander trennt.
Aber eben auch trennt. Und da kommt der Inhalt ins Spiel: so wie der geneigte Kommunist und der Neofaschist politische Todfeinde sind oder der katholische Christ und der Neoheide auch wenig Überschneidungen im Glauben haben so liegt ihre Gemeinsamkeit im Glaube an sich. Alle moralischen und ethischen Maßstäbe außen vor gelassen sind wir Menschen alle gläubig, auch der sogenannte Atheist, der sich selbst als ungläubig bezeichnet allerdings nur Gott gegenüber, aber wo liegt der Unterschied, wenn man sein Vertrauen in sich selbst oder in eine omninatürliche Figur setzt?
Meiner Meinung nach nirgendwo, denn jede Art von Glaube setzt spirituelle Kräfte frei, egal ob man sich dessen bewusst ist oder es überhaupt so nennen möche. "Mit Glauben allein kann man sehr wenig tun, aber ohne gar nichts" und genau darauf kommt es an, nicht so sehr an was, sondern dass wir überhaupt glauben. Ohne ebenjenen hätte ein Mensch keinen Lebenswillen.
Sicher mag es schwer oder nahezu unmöglich sein, den Glauben eines Menschen an sich zu achten, vor allem dann, wenn es der eigenen Moral und Ethik völlig widerspricht, aber verdient die Leidenschaft und Hoffnung (in seiner Summe ebenjener Glaube) eines jeden Menschen nicht schon einen gewissen Respekt?
Das soll nicht aussschließen, menschenverachtende Ideologien oder ähnliches weiterhin zu bekämpfen, aber im Endeffekt ist jeder Glaube die Motivation, der Motor für die Erfüllung des ureigenen Willens und dementsprechend immer spirituell. Man mag das nun für liberales Gutmenschengewäsch halten, doch ich bin überzeugt, würde unser qualitatives Urteil über andere Menschen mehr von der Intensität des Glaubens und weniger von dessen Inhalten abhängen,
wir könnten in jedem Menschen etwas höheres und lichteres entdecken.
Das Urteil über eine Seele liegt sowieso nicht in unserer Hand, wozu also seine Energie darauf verwenden wenn statt Hass und Ablehnung Inspiration und Kommunikation möglich sind?
An etwas zu glauben kann also nie verwerflich sein, da es eine natürliche und angeborene Kanalisierung von Hoffnung und Vertrauen ist, egal welcher Art der Glaube ist. Ich betone das deshalb nochmal, weil nicht der Eindruck entstehen soll, dass man jeder Person, die eine inhumane Auffassung von der Welt hat, die Hand geschüttelt werden soll, aber man sich bemüht, die Seele derer versucht zu erfassen und nicht nur ihre selbst konstruierte Existenzberechtigung, denn diese ist, wie bereits erwähnt, ständigem Wandel unterworfen, aber die Seele ist das, was Bestand hat.
Am Anfang
Gewiss mag es sinnlos erscheinen, hier einen mehr oder weniger sinnvollen Beitrag
leisten zu wollen angesichts dieses Wustes an Informationen, Tipps und pseudophilosophischen sowie -literarischen Kommentaren zum Leben.
Aber was soll`s? Man kann es lesen oder kann es lassen, im Nachhinein ärgert man sich vielleicht über die vergeudete Zeit, oder man rettet sein Leben, vielleicht verwirre ich mehr, vielleicht bin ich die Nadel im Heuhaufen der letzten Strohhalme, wer kann das schon wissen...nichtsdestotrotz viel Spass und Inspiration beim Lesen.
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